Re:tune – Zurück zum gemeinsamen Klang
Re:tune ist ein physisch-interaktives Musiksystem, das Studierende nach Projektstress durch Klang wieder miteinander verbindet.
Studienprojekt von Tyler Döll im Rahmen des Semesterthemas "Verkörperung"
4. Semester, 2025
Betreut von Sarah Antes, Romina Marsico, Max Studanski und Prof. Tsune Tanaka
Worum geht’s?
„Re:tune“ ist ein physisch-interaktives Musiksystem, das Studierendengruppen nach stressigen Projektphasen dabei unterstützt, ihr Gemeinschaftsgefühl wiederherzustellen. Durch gemeinsame Klangaktionen entsteht ein Moment der Neuausrichtung – ohne Worte, ganz intuitiv. Jede Person bringt sich über ein eigenes Objekt ein – gemeinsam entsteht Musik.
Das Problem
In vielen Projektarbeiten kommt es zu Belastungsspitzen, Missverständnissen oder Frust. Danach bleibt oft ein schales Gefühl: Die Aufgabe ist erledigt, aber das Miteinander hat gelitten. Gerade in kreativen oder kollaborativen Kontexten fehlt dann ein nonverbaler, emotionaler Raum, um wieder zueinanderzufinden – ohne direktive Methoden, Workshops oder Gesprächstherapien.
Die Idee
Re:tune macht Verbindung wieder spürbar – mit Klang, Bewegung und Gegenwart. Das System besteht aus einer Matte und mehreren Objekten, die beim Bewegen Klang auslösen. Die Interaktion erfolgt freiwillig, explorativ und ohne Bewertung. Über visuelles und auditives Feedback entsteht ein Gruppenfluss, der soziale Kohäsion stärkt – rein durch Tun.
Technik, die sich zurücknimmt
Der Prototyp basiert auf einem Arduino-System, das mit Hall-Sensoren und Neodym-Magneten arbeitet. Die Objekte, die von den Teilnehmenden bewegt werden, enthalten die Magnete – ihre Positionen werden durch die Sensoren erkannt. Ein DFPlayer-Modul mit SD-Karte steuert die Soundausgabe und spielt vorab gespeicherte Klangdateien ab. Die akustische Rückmeldung erfolgt über verkabelte Lautsprecher. So entsteht Klang rein durch Bewegung im Raum – ohne komplizierte Eingaben oder digitale Schnittstellen. Die Technik bleibt im Hintergrund und lässt der physischen Erfahrung den Vortritt.
Forschung und Haltung
Re:tune orientiert sich an der Philosophie der Verkörperung: Soziale Verbindung entsteht nicht nur durch Worte, sondern auch durch gemeinsames Handeln im Raum. Musik wird dabei als kollektive Aktivität verstanden – partizipativ, natürlich, verbindend. Die Gestaltung zielt auf einfache Zugänge, niedrige Schwellen und echtes Miteinander.
Was bleibt?
Re:tune ist kein Instrument – es ist ein Impulsgeber. Es bewertet nicht, es unterbricht nicht – es bietet einen Moment des Einstimmens. Gerade nach Phasen von Frust oder Scheitern kann so ein nonverbales, geteiltes Erlebnis den Unterschied machen: Es macht Verbindung hörbar – und wieder fühlbar.