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LivArch

Forschung
Forschungsdatenmanagement

LivArch

Das Projekt LivArch erforscht, wie digitale Archivpraktiken unter Kriegsbedingungen wissenschaftlich erfasst und weiterentwickelt werden können. Es erarbeitet methodische und ethische Grundlagen für den Umgang mit „lebenden Archiven“ und fördert kollaborative Autorenschaft.

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat grundlegende Veränderungen im Umgang mit historischen Quellen ausgelöst. Drei zentrale Entwicklungen prägen die gegenwärtige Forschungspraxis: Zum einen entstehen vermehrt community-getriebene Archive, in denen Bürger*innen und lokale Gruppen ihre eigenen Dokumentationsformen etablieren. Zum anderen wird Archivmaterial heute häufig in Echtzeit erzeugt – die Trennung zwischen Ereignis und historischer Aufzeichnung löst sich zunehmend auf. Drittens verlagert sich die Forschung auf digitale Quellen, nicht zuletzt, weil viele physische Archive durch den Krieg zerstört oder nicht zugänglich sind. Diese Dynamiken werfen grundlegende erkenntnistheoretische, ethische und methodische Fragen auf und stellen das Selbstverständnis historischer Forschung vor neue Herausforderungen.

Projektverlauf 

Im Zentrum des Forschungsvorhabens steht die Frage, wie digitale Archivpraktiken unter den Bedingungen kriegerischer Konflikte wissenschaftlich erfasst, bewertet und weiterentwickelt werden können. Ein besonderer Fokus liegt auf der Rolle ethischer Standards, der Sicherstellung von Transparenz und der Nachvollziehbarkeit der Herkunft von Materialien. Das Projekt untersucht, inwiefern bestehende Standards zur Beschreibung digitaler Quellen diesen Anforderungen gerecht werden und wie diese weiterentwickelt werden müssen, um ihrer wissenschaftlichen wie gesellschaftlichen Verantwortung zu genügen. Die Analyse erfolgt in enger Kooperation mit internationalen Partnerinstitutionen und ukrainischen Initiativen vor Ort.

 

Ziel

LivArch verfolgt das Ziel, methodische und ethische Grundlagen für den Umgang mit sogenannten „lebenden Archiven“ zu erarbeiten. Dabei steht insbesondere die Frage im Vordergrund, wie kollaborative Autorenschaft zwischen Forscher*innen, Aktivist*innen und Zeitzeug*innen gestaltet und dokumentiert werden kann. Das Projekt entwickelt praxisorientierte Empfehlungen für die digitale Archivierung in Krisenkontexten, identifiziert erkenntnistheoretische Implikationen dieser neuen Archivformen und reflektiert ihre Auswirkungen auf die historische Forschung insgesamt. Zudem unterstützt LivArch durch Workshops, Schulungen und Stipendien ukrainische Forschende und zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich mit dem Aufbau digitaler Archive befassen und dabei neue Standards und Methoden erproben.