CompreHand
Ein greifbares Lernobjekt, das Schüler:innen motiviert, gemeinsam zu lernen, sich auszutauschen und gelerntes greifbar macht
Studienprojekt von Celina Thies im Rahmen des Semesterthemas "Verkörperung"
4. Semester, 2025
Betreut von Sarah Antes, Romina Marsico, Max Studanski und Prof. Tsune Tanaka
Worum geht’s?
CompreHand ist ein physisches Lernobjekt, das Schüler ab ca. 12 Jahren beim gemeinsamen Lernen unterstützt – ohne App, Bildschirm oder digitale Inhalte. Es wird von zwei Personen gleichzeitig bedient und setzt über einfache Gesten, Lichtsignale und kurze Töne strukturierende Impulse im Lernprozess. Die Lernenden wählen gemeinsam einen Modus (z. B. Zeichnen, Bauen, Pantomime) und reflektieren im Anschluss, was funktioniert hat und was nicht.
Das Ziel ist die Wissensvermittlung, als auch die Förderung von Dialog, Verantwortung und Koordination zwischen den Lernenden. Dabei bleibt die Technik bewusst im Hintergrund. Im Zentrum stehen die gemeinsame Handlung und die geteilte Aufmerksamkeit – sichtbar gemacht durch einfache, aber gezielte Rückmeldungen.
Hintergrund & Problemstellung
Viele Schüler lernen zwar formal in Gruppen, doch der Körper bleibt dabei meist außen vor. Rollen sind oft unklar, Reflexionsphasen fehlen, und Lernen findet überwiegend auf kognitiver Ebene statt. Digitale Tools strukturieren zwar Abläufe, binden aber selten physische Handlung oder soziale Präsenz mit ein. Gerade in selbstorganisierten Lernphasen fehlt eine Unterstützung, die den Körper aktiv einbezieht und Orientierung durch gemeinsames Handeln ermöglicht – ohne dass Lehrkräfte ständig eingreifen müssen.
Genau hier setzt CompreHand an: Es bringt Struktur in die Interaktion, macht Rollen sichtbar und schafft Gesprächsanlässe. Dabei geht es nicht um technische Raffinesse, sondern um soziale Wirkung. Die Entscheidung, auf Bildschirme und digitale Interfaces zu verzichten, ist zum Vorteil des pädagogischen Konzepts.
Konzept & Interaktion
CompreHand besteht aus einer zentralen Licht-Pyramide und sechs berührungsempfindlichen Karten, die jeweils spezifische Funktionen erfüllen. Zwei Karten aktivieren das System nur bei gleichzeitiger Berührung – ein bewusster Startmoment. Drei weitere Karten stehen für die Auswahl eines Lernmodus, eine Karte löst Feedback aus.
Das Objekt reagiert mit farbigem Licht und kurzen Signaltönen – leise, klar, nicht wertend. Die Lernenden werden dazu angeregt, ihre Rollen zu reflektieren, sich abzustimmen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Die Interaktion ist dabei immer geteilt – es gibt kein „Mein“ oder „Dein“, sondern nur ein „Unser“.
Forschung & Inspiration
Die Grundlage des Projekts ist das Konzept der verkörperten Kognition: Lernen findet nicht nur im Kopf statt, sondern im Zusammenspiel von Körper, Raum, Bewegung und sozialem Miteinander. Philosophische und gestaltungstheoretische Ansätze – von Merleau-Ponty bis Ishii und Dourish – bilden den theoretischen Rahmen.
Studien zeigen: Bewegung und physische Handlung fördern Erinnern, Verstehen und Motivation.
Besonders im Peer-learning kann ein gut gestaltetes physisches Objekt Gespräche anstoßen, Denkprozesse fördern und Reflexion ermöglichen – ohne Sprache oder Bewertung.
Diese Erkenntnisse flossen konsequent in das Gestaltungskonzept ein.
Technik & Umsetzung
Der MVP/Prototyp basiert auf einem Arduino Uno R4 mit sechs kapazitiven Touchsensoren, einem WS2812-LED-Streifen und einem Piezo-Buzzer. Die Hardware bleibt bewusst einfach – keine App, keine Cloud, keine Datenspeicherung.
Das System erkennt Gleichzeitigkeit, reagiert mit Lichtfarben auf Moduswahl und sendet bei Rückfragen akustische Signale. Der Aufbau wurde vollständig lokal realisiert, um Unabhängigkeit, Mobilität und Wartungsfreundlichkeit zu gewährleisten.
Fazit & Ausblick
CompreHand ist kein Lernspielzeug und keine digitale Lösung, sondern ein physischer Lernbegleiter. Es schafft Struktur, Anlässe zur Reflexion und soziale Verbindlichkeit – ohne zu steuern oder zu bewerten. Der aktuelle Prototyp zeigt, dass schon einfache physische Impulse ausreichen, um gemeinsames Lernen bewusster und wirksamer zu gestalten.
Gleichzeitig bleiben Gestaltungsspielräume offen: Eine stärkere Einbindung von Haptik, Klang oder Bewegung könnte die verkörperte Dimension noch weiter stärken. Als Impulsgeber, nicht als Lösung steht CompreHand für einen Lernbegriff, der den Menschen in seiner Ganzheit ernst nimmt – als Denkenden, Fühlenden und Handelnden zugleich.